REVIEW: Now And Then (FRONTM3N)
Ein Kessel Buntes war einmal eine Unterhaltungssendung, die in den 70ern in der DDR ausgestrahlt wurde. Seltsamerweise fiel mir dieser Titel ein, als ich das neue Album von FRONTM3N in die Finger bekam. Ich hatte wohl schon von der Drei-Mann-Kapelle gehört, aber bis dato war mir noch keine Musik von diesen zu Ohren gekommen. Da ich davon ausgehe, dass es womöglich vielen so geht, möchte ich die Jungs kurz vorstellen. Es handelt sich hierbei um drei Engländer, die musikalisch zwar tief in den 70ern verwurzelt sind, in namhaften Bands wie den HOLLIES (Peter Howarth), 10CC (Mick Wilson), THE SWEET oder SAILOR (Pete Lincoln) erst später ihren Platz fanden. Sie begegneten sich im Ensemble von CLIFF RICHARD und stellten fest, dass die Chemie stimmt, um auch alleine etwas auf die Beine zu stellen. Da man zunächst nur live für diverse Unterhaltungssendungen unterwegs war, beginnt die Diskographie 2016 mit „Live In Berlin“. Hierbei wurden zunächst Titel der o.g. Stammbands in akustischen Versionen – drei Stimmen mit drei Gitarren – zum Besten gegeben. Peter Howarth spielte u. a. mehrere Jahre im Musical „Only the Lonely“ in London die Hauptrolle des ROY ORBISON. So wurde das Set um Songs vom guten Roy erweitert. Irgendwann fing man an, auch eigene Songs dem Portfolio hinzuzufügen, und live brachen alsdann sämtliche Dämme. Die meisten Konzerte der Briten sind ausverkauft, und in Hamburg geschah das auch mitunter innerhalb von 24 Stunden.
Nun liegt „Now And
Then“ in meinem Player, und der Kessel
könnte bunter
nicht sein. Da finden sich neben phantastischen Interpretationen von
ELTON JOHN (Rocket Man), ABBA (Does Your Mother Know), KISS (I Was
Made For Lovin’ You) und sogar den FOO FIGHTERS (Times Like These)
auch drei eigene Kompositionen (von jedem eine), die zeigen, dass
hier eine Formation am Werk ist, die ihre eigene Duftmarke zu setzen
vermag. Besonders angetan bin ich von „Scarlet Angel“, das aus
der Feder von Peter Howarth stammt. Die einzelnen Titel werden
darüber hinaus nicht nur aus dem Kessel
wider gegeben; nein, man würzt sie mit einer ganz eigenen Mischung,
die die eigene Identität unterstreicht. Der gefühlvoll mehrstimmige
Harmoniegesang in Verbindung mit der fein abgestimmten
Instrumentierung verleiht den Tracks teils einen vollkommen neuen
Geschmack, so dass sie einem wie neue Kreationen auf der Zunge
zergehen. Der eine oder andere Titel, wie z.B. „Pretty Woman“
(ROY ORBISON), wird zudem mit Schlagzeug und elektrischen
Instrumenten angereichert, was das Ganze mit einer pikanten Note
bereichert. „Boys Of Summer“ (DON HENLEY) dagegen klingt so
authentisch, als wäre es vom Triumvirat geschrieben. Das liegt
gewiss an der Nähe, die man stilistisch zu den EAGLES hat. Würde
ich nach Ecken gefragt werden, in die man das Kollektiv stecken
könnte, würde ich außerdem noch die ruhigen Sachen von STYX oder
auch BARCLAY JAMES HARVEST nennen.
Bedauerlicherweise eignet sich
nicht jede Nummer dazu, ihr den Stecker zu ziehen. Nachdem sich Mr.
Ballard höchstpersönlich schon akustisch an seinem „Since You’ve
Been Gone“ vergriffen hat, funktioniert der Song auch bei den
FRONTM3N leider nicht richtig.
Ansonsten gibt’s hier wirklich nichts zu meckern. Wer es gerne mal etwas ruhiger mag oder ein Album mit Niveau für die nächste Familienfeier sucht, kann bei „Now And Then“ von FRONTM3N getrost zugreifen. Wer live gerne auch nur zuhört, ohne die Mähne schütteln zu müssen, sollte sich das freilich mal antun, so wie ich... aber dazu an anderer Stelle mehr!



